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SCHOTTLAND 2023 - SOMMERURLAUB IN DEN HIGHLANDS

"Und wo geht der Urlaub hin für dich?" - "Nach Schottland für 2 Wochen." - "Nach Schottland? Ach krass. Wie kommt man denn darauf?" ... So in etwa liefen die Unterhaltungen vor meinem Urlaub ab und ich fühlt mich so waghalsig, als ob ich auf irgendeine irre Expedition fahren sollte und nicht etwa auf die britische Insel, 2 Flugstunden entfernt.

Nichtsdestotrotz ist die Frage ja nicht unbegründet - wie kommt man darauf, im Sommer nach Schottland zu fahren, wo es nass und kalt ist, kaum die Sonne scheint? Ich hab wohl zu viel Outlander und Harry Potter geschaut, und hatte irgendwie eine romantische Vorstellung. Und je mehr Sandra und ich uns mit der Idee beschäftigten, desto besser fanden wir den Gedanken. Also starten wir doch mal mit den Pro-Argumenten für einen Sommerurlaub in Schottland.


Kapitel 1 - 50 Shades of Green

Schottland im Sommer ist grün - grasgrün, moosgrün, salbeigrün, lindgrün, tannengrün, minzgrün, hellgrün, dunkelgrün, farngrün ... Für die Vielfalt an Grüntönen müssen neue Wörter erfunden werden. Es ist wirklich atemberaubend.

Unsere Rundtour startete von Edinburgh aus nach Fort William und führte uns durch den Glen Coe Nationalpark vorbei an unzähligen Seen und Wäldern. Die Hügel starteten sanft, eine Mischung aus Auenland und Uckermark, und wurden von Meile zu Meile immer größer, satter, einsamer und beeindruckender. Die Highlands bauten sich langsam auf und wurden zu einer Landschaft wie von einem anderen Planeten.



Nach 2 Nächsten ging unsere Reise weiter auf die Isle of Skye im Norden und das war einfach NEXT LEVEL. Ein wilder Mix aus Stränden, steilen Klippen, grünen Hügeln, mystischen Felsen, Wiesen und kleinen Fischerdörfern. Hier hätte man noch viel mehr Zeit als 3 Tage verbringen können, denn es gab landschaftlich so viel zu entdecken, dass es einem nach jeder Kurve den Atem verschlug.





Von dort ging es weiter nach Inverness entlang der A87, die ich die "Straße der 100 Wasserfälle" getauft habe. Vergesst die im Reiseführer ausgewiesenen Wasserfälle - fahrt einfach diese Straße lang und sucht euch euer eigenes Highlight aus. Inverness liegt am Loch Ness (und nein wir haben Nessie nicht gesehen, dafür andere gruselige Sachen - ich sage nur trashige Souvenirläden) - der See an sich ist nicht unbedingt ein Highlight. Dafür haben uns aber Loch Lubnaig und Loch Shiel sehr begeistert, welche eher in der Gegend um Fort William liegen.



Über Balmoral, Dundee und St. Andrews ging es dann irgendwann wieder über sanftere Hügel, sehr enge Schlängelstraßen und Wälder zurück nach Edinburgh.

Vor der Reise nach Schottland dachte ich, dass es nur hier und da so aussah, wie auf den tollen Bildern aussieht. Aber tatsächlich begeistert Schottland an jeder Ecke mit toller Landschaft, rauen Charme und unzähligen Möglichkeiten für Sportbegeisterte und Fotografen.


Kapitel 2 - Me, my sheep and I

Ein weiteres Highlight, wenn man im Sommer nach Schottland fährt: man ist meistens relativ allein. Während sich im Juli und August an europäischen Stränden alle um 2qm Sand streiten und der Klimawandel mittlerweile unerträgliche Temperaturen aufruft, ist Schottland nur sehr wenig besucht.




Es gibt natürlich einige touristische Highlights, wo es auch mal etwas voller wird. Zum Beispiel ist Edinburgh das ganze Jahr durchgehend gut besucht, das Glennfinnan Viadukt aka. die Harry Potter Brücke oder den Felsen von Old Man of Storr auf der Isle of Skye locken auch mehr Besucher an ebenso wie fast alle Schlösser. Die meisten etwas "volleren" Situationen kann man aber umgehen, indem man entweder früh da ist oder einfach mal 10 Meter weiterwandert oder den etwas anstrengenderen Weg nimmt.



Abgesehen davon, hat man meistens alles für sich ganz allein und teilt sich die Aussicht nur mit etwa 100 Schafen. An einem Tag war der Regen leider so stark, dass wir die geplante Wanderung nicht machen wollten und sind stattdessen auf der Isle of Skye einfach mal losgefahren ohne Plan, immer an der Küste entlang - die Straße wurde immer enger und einsamer, hier und da vereinzelt ein Haus, die Küste jedoch immer spektakulärer und wir konnten es einfach ganz in Ruhe genießen. Es war der Wahnsinn.



Kapitel 3 - Zeitreisen

In Schottland kann sowohl in die Zukunft, als auch in die Vergangenheit reisen. Man kann hier einerseits tatsächlich ÜBERALL (ja auch ein dem Food Track in the Middle of Nowhere) mit Karte bezahlen, was als deutscher Tourist wirklich unfassbar ist. Man kann allerdings auch in die Vergangenheit reisen. Angefangen von den unzähligen Schlössern im Aberdeen Shire über die alten kleinen Fischerhäusern an den Küsten hin zum historischen Edinburgh und der Universitätsstadt St. Andrews.


Das eigentliche Highlight für uns war allerdings das Skiresort Lecht im Aberdeen Shire. Es war ein Tag mit schottischem Wetter, es regnete in Strömen, wir waren auf der Suche nach Kaffee und das einzige, was wir fanden, war ein altes Skiresort. Als wir durch die Türen gingen, reisten wir ca. 25 Jahre zurück in der Zeit, waren die einzigen Gäste, an den Wändern hingen Röhrenfernseher - aber an der Bar trafen wir den herzlichsten und verrücktesten Barkeeper ever. Diese Erfahrung war wieder so ein Beispiel dafür, dass man auf Reisen manchmal die zufälligen Stopps zu den besten gehören.

Und dann kann man noch in einer Fantasiezeit reisen - in die Welten von Harry Potter, Outlander, James Bond und Sagen über Hexen und andere Mythen. Die Landschaft von Schottland lädt zum träumen und fantasieren ein, sodass man fast vergessen könnte, dass der Hogwarts Express nicht wirklich durch die schottischen Highland fährt.




Kapitel 4 - Gastfreundschaft & Tea Time

Die letzte Anekdote ist eine perfekte Überleitung zur schottischen Gastfreundschaft - sind die alle nett und witzig. Egal wo wir waren, irgendwer hatte immer einen lockeren Spruch drauf, alle machen sich ständig über das Wetter lustig, sind super nett und herzlich. Es kann natürlich auch sein, dass wir aufgrund des Dialekts nicht alles verstanden haben - aber sie haben uns immer angelacht :D Eigentlich haben wir nur vereinzelt mal grummelige Menschen getroffen, der Rest war einfach herzlich nett und man fühlte sich direkt sehr sehr wohl.



Vor allem die Pub Kultur ist hier natürlich ein Highlight, aber das hatten wir irgendwie erwartet. Unerwartet war die Coffee/Tea Stop Kultur - irgendwie gab es super oft so kleine Cafés, wo man wirklich nur Kaffee, Tee, Kuchen und Sandwiches bekommen hat. Die waren allerdings alle so niedlich und haben uns deshalb so begeistert. Selbst im Nirgendwo gab es einfach einen kleinen Truck am Straßenrand, wo man heiße Getränke und Kuchen bekommen hat. Hat mich sehr glücklich gemacht :)


Kapitel 5 - Im Sommer ist es bestimmt schön hier

Jetzt zu dem kleinen Downer hier in meiner Erzählung - das schottische Wetter. An alle Sonnenanbeter da draußen, ihr braucht wirklich starke Nerven. Das Wetter ist so wie man es sich vorstellt. Angeblich soll es im Juni und August besser sein. Pech für uns, wir waren im Juli da und hatten 10 von 12 Tagen Regen. Generell hat man aber von Sonne zu Wind zu Regen zu Sturm alles innerhalb weniger Stunden. Auch von warm zu kalt zu warm ändert sich alles im Minutentakt. Man muss für alles gewappnet sein. Nach 2 Wochen in Schottland macht die typische britische Garderobe mit Wachsjacken, Lederboots, Tweedjackets und Mütze wirklich Sinn - denn durch den Wind macht ein Regenschirm gar keinen Sinn.


Am besten beschreibt wohl folgende Unterhaltung die Wetterlage im Schottischen Sommer:

"Im Sommer ist es hier bestimmt richtig schön!"

"Es ist Juli"

"Oh ... "


Wenn man sich aber mental und klamottentechnisch eingestellt hat, dann ist das aber dennoch ein tolles Reiseziel und ich würde definitiv wieder hinfahren! :) Mich hat Schottland total umgehauen, es war ein spektakulärer Roadtrip in bester Begleitung. Es war einer der erholsamsten Urlaube überhaupt, auch wenn wir viel gemacht haben, aber das Wetter und die Ruhe endschleunigen sehr. Die Mentalität und die Landschaft sind wirklich eine Reise wert.


Kapitel 6 - Die Route & ein paar Tipps

Und zum Abschluss gibts hier noch einen kurzen Überblick über die Route und ein paar Tipps für den Sommerurlaub in Schottland.



Tag 1: Ankunft in Edinburgh

Tag 2 - 4: Fort William (Glen Coe, Loch Stiel, Glennfinnan Viaduct)

Tag 4 - 7: Isle of Skye (Old Man of Storr, Portree, Quiraing)

Tag 7 - 9: Inverness (Loch Ness, Dolphin Watching, Whiskey Tasting)

Tag 9 - 10: Aberdeen Shire (Balmoral, Dundee, St. Andrews)

Tag 10-12: Edinburgh (lauft einfach rum und lasst euch treiben)



Reisetipps:

  • Packt euch Klamotten für jede Wetterlage ein - ich hatte von kurzer Hose bis Fleecejacke, Daunenweste, Regenmantel und Stirnband ALLES an

  • Lasst den Regenschirm zu Hause, es bringt nichts.

  • Ihr braucht kein Bargeld.

  • Plant nicht zu viel Zeit in Inverness ein.

  • Wenn ihr schon da seid, müsst ihr auch schottische Highlights wie Whiskey und Haggis probieren, um dieses Land zu verstehen.

  • Half Pints sind für Schotten ein Witz.

  • Links fahren bekommt ihr nach einem Tag schon hin ;)

  • Nach 19 Uhr wird es sehr schwer in Pubs noch was zu essen zu bekommen.

  • Extrameilen gehen lohnt sich.




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