MIT DEM DRACHENBOOT IN SEVILLA

Es gibt so Dinge ... die muss man erstmal verarbeiten. Und dazu gehören Tage wie die letzten im spanischen Sevilla. Der Grund dieser Reise lag in diesem Fall nicht darin, dort Urlaub zu machen. Anlass war die European Club Crew Championship im Drachenboot. Seit nun 14 Jahren betreibe ich diesen Sport und noch nie habe ich so oft vor Freude geweint.

Drachenboot? Was das ist? Nun ja, wenn man sich durch den Wikipedia Eintrag wälzt, dann ist das ein langes offenes Paddelboot, in dem die Paddler paarweise nebeneinander sitzen, vorne drauf ein Trommler, welcher den Takt der ersten Reihe übernimmt und hinten drauf ein Steuermann, der das Boot in der Bahn hält. Soweit, so gut.


Doch was ich dieses Wochenende erlebt habe, passt nicht in eine Wikipedia Beschreibung. Etwas hektisch sind wir am Donnerstag Nachmittag angereist. 2 Stunden nach der Landung unseres Fliegers sollten wir in unserem ersten Vorlauf über die 500m im Mixed Boot sitzen. Ziemlich knappe Kiste alles. Entsprechend wenig zufriedenstellend lief auch dieser Lauf. Wir wussten, dass wir das eigentlich besser können. Und siehe da - im zweiten Rennen konnten wir uns schon steigern. Rennmodus an. Wir waren da.

Und dann das Finale. Der Bass von UNSEREM Lied ertönte aus unserer mit angereisten Bumms-Box. Fokus. Finale. Europameisterschaft. Warm machen. Arme kreisen. Spannung aufbauen.

Vom Steg losfahren. Warm fahren. Einfahren. Druck aufbauen. Alle waren da. Mit dem ersten Schlag vom Steg war da Kraft am Blatt. Nochmal ein paar schnelle Schläge fürs Fahrgefühl. Dann ab zum Start. Langsam einschwimmen. Augen bleiben im Boot. Der Klopfer vom Hintermann auf die Schulter. Nochmal tief durchatmen. Spannung aufbauen. Festmachen im Boot. Paddel nach vorne. Nochmal tief durchatmen. Sauerstoff rein.


Are you ready?

Attention!


(Himmel, war die Pause nach Attention immer lang)


Gooo!!

30 Startschläge. 20 Schläge für den Übergang. Und dann einfach nur noch den langen Hammer runterfahren. Druckschläge ran. Frequenz hoch. Zum Endspurt runterzuholen. Nochmal richtig explodieren.


Und dann war sie tatsächlich da - unsere erste Goldmedaille. Europameister.

Baff. Überglücklich. Unfassbar. Freudentränen. Niemals hatten wir damit gerechnet. Wir waren absolut überwältigt.

Und so sollte sich das an diesen Tagen in Sevilla noch einige Male wiederholen. Um genau zu sein, 8 Mal Gold, 3 Mal Silber und 3 Mal Bronze. Für Premium Mixed. Senior Mixed. Premium Damen. Premium Open und Senior Open.

Danke an dieser Stelle an all die anderen Teams für diese spannenden und fairen Rennen. So macht dieser Sport Spaß.



Doch dieser Medaillenspiegel und die Titel sind eigentlich gar nicht das, auf was ich hinaus will. Denn sie sind eigentlich nur der Trumpf für etwas viel Größeres und Wichtigeres - nämlich das Team und die Gemeinschaft. Diese Club EM hat gezeigt, dass jeder nur so gut sein kann, wenn das Team gut ist. Und zum Team gehören keinesfalls nur die 20 Paddler, die Trommlerin und die Steuerfrau im Boot, die gerade auf dem Wasser sind. Da gehören diejenigen, die in dem Rennen nicht gesetzt sind, genauso dazu. Ebenso diejenigen, die in anderen Klassen unser Team vertreten. Unsere Unterstützer. Diejenigen, die uns mit Freudentränen in den Augen am Steg wieder in Empfang nehmen. Diejenigen, die ne Runde Siegesbier fürs Team schmeißen. Und zu dieser Drachenbootgemeinschaft gehören tatsächlich auch die anderen Teams eben - auch wenn man auf dem Wasser sich nichts schenken mag, so steht man an Land doch wieder gemeinsam am Bierwagen. Drachenbootfamilie.


Die Medaillen werden jetzt in Ehren gehalten. Aber dieser Teamgedanken wird im Kopf und Herzen gehalten. Danke an mein Wahnsinnsteam - die Berlin Dragonboat Company. Es war mir ein fest und ich bin froh und dankbar, dabei zu sein.

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