HEIMATGEFÜHLE

Was ist der Unterschied zwischen Heimat und zu Hause? Laut dem Duden, wird Heimat wie folgt definiert: "Land, Landesteil oder Ort, in dem man [geboren und] aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt". Und zu Hause? Für mich persönlich ist das Ort, an dem man wohnt.

Berlin ist mein zu Hause und ich liebe es. Aber die Uckermark ist meine Heimat. Die Uckermark ist ein Landstrich nordöstlich von Berlin auf dem halben Weg zur Ostsee und ist der größte Landkreis Brandenburgs.

Doch was ist Heimat denn wirklich? Zumindest für mich selbst beantworte ich diese Frage wie folgt ...


Ankommen

Wenn ich die anderthalb Stunden von Berlin in die Heimat fahre, dann bin ich einfach da. Ich muss nicht mehr runterkommen. Ich muss mich nicht erstmal noch abreagieren. Ich bin einfach da und es fühlt sich genauso auch richtig an. Ich komme an, Mama und Papa haben Stullen geschmiert und hier muss ich auch nicht erklären, warum das nun Stullen heißt und nicht Jause und auch nicht rechtfertigen, dass Stulle kein komisches Wort ist. Abgesehen davon schmecken Stullen, die die Eltern geschmiert haben, eh viel besser als die eigenen.


Loslassen

Hier zwitschern die Vögel. Hier treibt der Fuchs und mittlerweile der Wolf noch sein Unwesen. Entgegen vieler Vermutungen haben wir hier fließend Wasser, Strom und Internet, aber manchmal bricht hier eben der Streaming Dienst ab, weil das Internet doch mal wieder zu langsam ist. Hier kennt man noch die Verkäuferinnen in der Rewe Halle, seitdem man ein kleines Mädchen war. Hier ist nicht jeden Tag irgendeine Party, oder ein Festival oder eine Bareröffnung - und das ist auch vollkommen gut so. "Es ist nichts mehr zu tun. Du bist vollkommen entspannt." - andere hören dieses Mantra zu ihrer Schlussentspannung nach der Yogastunde. In der Uckermark ist das wirklich so (abgesehen davon, dass es hier auch eh nicht so viele Yoga Studios gibt).

Picture by: Marc Rößler

Vertrauen

Ich kann mich darauf verlassen, dass hier immer alles so ist wie immer. Muttis Hackbraten und Königsberger Klopse werden immer die besten sein. Meine Lieblingsorte am Uckersee werden immer genauso schön sein. Ich kann darauf vertrauen, dass wir daheim immer stundenlang frühstücken, danach Kaffee trinken und um 12 Uhr feststellen, dass sich Mittagessen kochen irgendwie doch nicht mehr lohnt. Dass mein alter Kater irgendwann doch nochmal vorbei schaut, um sich von mir streicheln zu lassen und dass wir am Ende des Tages alle zusammen mit einem Wein im Wintergarten sitzen werden. Das wichtigste an diesem Vertrauen ist aber zu wissen, dass ich mich auf alles und jeden hier verlassen kann. Die Heimat wird immer da sein. Und am Ende wird Papa sagen: "Ja die Uckermark sind eben die Hamptons von Berlin." Irgendwie hat er Recht.


Erinnerungen

Während des Weintrinkens werden wir irgendwann immer sagen: "Weißt du noch damals, als du..." und dann folgt in der Regel eine peinliche Geschichte aus der Kindheit oder der Schulzeit. Die Geschichten hat man schon hundertmal erzählt, aber irgendwie ist es immer wieder lustig. Und bei all dem in Erinnerungen schwelgen kommt man irgendwann zu dem Punkt, dass man über den Ernst des Lebens diskutiert und die aktuellen Probleme diskutiert. Damals, direkt nach dem Abi wollte ich unbedingt raus und weg und viel sehen und nicht mehr in der Uckermark sein. Doch mittlerweile, 10 Jahre später, habe ich gelernt, dass die Uckermark so ein großer Teil von mir ist. Hier weiß ich immer, wer ich bin und komme geerdet wieder zurück nach Hause nach Berlin. Diese Echtheit an Identität finde ich persönlich nicht an irgendeinem Strand, sondern nur hier.



Familie

Doch der wichtigste Teil des Heimatgefühls ist die Familie. Ich bin ja nun ein großer Verfechter des hawaiiarischen Familiengefühls (Ohana), was Freunde mit inkludiert. Doch der Familienkern (Mama, Papa und meine liebe Schwester) ist Heimat. Denn sie sind der mobile Part der Heimat - manchmal kommt mich die Heimat besuchen und manchmal fahre ich zusammen mit der Heimat in den Urlaub. Manchmal streite ich mich mit der Heimat und danach trinke ich mit der Heimat einen Wein und dann ist alles wieder gut. Ohne Familie wäre die Heimat eben nicht Heimat, sondern eben doch nur die Uckermark im Norden von Berlin.


Ich bin viel gereist bisher, hab drei Jahre im Ausland gelebt und lebe so gerne in Berlin und bin sehr sehr zufrieden. Ich schreibe gerne über die Urlaube am anderen Ende der Welt und träume davon, wo ich noch gerne hin würde. Ich liebe meine Freunde und mein Team in Berlin, mag die vielen Möglichkeiten und Zerstreuungen und das Großstadtleben.

Aber ohne das Heimatgefühl, könnte man all das wohl doch nur halb so sehr genießen und wertschätzen. Daher:

Liebe Uckermark - ich hab dich lieb.



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