BELLA ITALIA 2020 - EIN ROADTRIP DURCH DEN NORDEN

Das Reisejahr 2020 ist anders. Da ist Spontanität und auch etwas Glück gefragt und so entschlossen Susett und ich uns kurzerhand über Roadsurfer einen Campervan zu mieten und durch Italien zu cruisen. Die Route: vollkommen ungeplant. Frei nach dem Motto - der Sonne hinterher. Wenn ich mir jetzt, etwa eine Woche später, die Fotos anschaue, möchte ich eigentlich am liebsten gleich wieder los.


Italien wurde durch das Corona Virus stark getroffen, was man vor allem in touristischen Gebieten merkt. So leer wie in 2020 werden wir einige unserer Stopps wohl niemals wieder sehen. Was für uns als Touristen sehr angenehm ist, bedeutet für die Menschen vor Ort Existenzängste. Dieses Bewusstsein schlängelte sich durch einen Großteil unserer Reise. Umso schöner und beeindruckender war die Freundlichkeit und Dankbarkeit, die uns an allen Orten entgegengebracht wurde.


Der Campervan

Wir entschieden uns über den Anbieter Roadsurfer für 10 Tage einen Mercedes Marco Polo zu mieten. Der Preis von 125€ am Tag ist stolz, aber das Leistungspaket hatte uns überzeugt. Alle Kilometer inklusive, zwei Fahre abgesichert, neuer Wagen, Küchenausstattung, Camping-Stühle und Tisch - alles war dabei. Die Abholung und Einweisung waren super easy und entspannt. Und das Wichtigste für mich (und ja, ihr dürft an dieser Stelle lachen) - der Van hat eine Automatik-Schaltung :)


Mit dem Camper durch Italien - Route, Fahren und Campen

Wir haben uns von Tag zu Tag überlegt, wohin wir als nächstes fahren und wie lange wir dort bleiben wollen. Am Ende sind wir innerhalb von 7 Tagen 1300 km gefahren. Am Tag sind wir maximal 2-4 Stunden Auto gefahren, sodass die Tour relativ entspannt war. Den Heimweg nach Berlin lassen wir hier einfach mal aus :) Die meisten Straßen sind gut zu fahren mit einem Campervan, nur manchmal wurde die Straßenbreite doch etwas eng und die Kurven etwas steil - aber insgesamt nichts, was man nicht meistern kann.

Die Campingplätze haben wir uns immer erst am Tag selbst rausgesucht über die ADAC App. Insgesamt waren wir überrascht, wie easy es war spontan einen Platz zu finden. Eigentlich war es nur in einer Nacht etwas stressig. Die Campingplätze variieren stark im Preis und in der Qualität, aber wir waren an sich mit jedem einzelnen zufrieden. Manchmal war der Campingplatz billiger als die Maut (hier haben wir jedes Mal gedacht, wir haben jetzt wieder ein Stück Italien gekauft).


Hier unsere Top 3 Highlight Campingplätze:

Stopp Nr. 1 - Venedig

Die erste Nacht haben wir in Natters verbracht und wollten eigentlich dann noch einen Tag in Tirol wandern gehen. Das Wetter hatte aber nicht so mitgespielt und so ging es kurzerhand nach Venedig.

Unser Campingplatz - also Leute, lasst euch nicht von der Anfahrt abschrecken. Wir haben zunächst tatsächlich gedacht, dass wir an der nächste Ecke im Hafen gleich verschleppt werden. Aber auf einmal - siehe da, ein richtig süßer kleine Campingplatz direkt am Meer, die Anlegestelle für die Boote in die Altstadt von Venedig zu Fuß in wenigen Minuten erreichbar. Ein Traum.



Mit der Fähre ging es dann rüber nach Venezia. Vor über 10 Jahren war ich schon einmal in Venedig und kann mich eigentlich nur noch an die Menschenmassen erinnern. In 2020 hatten wir die Stadt quasi fast für uns alleine und konnten in Ruhe durch die Gassen schlendern, an der ein oder anderen Ecke einen Aperol schlürfen und haben auch entspannt einen Platz fürs Abendessen bekommen. Venedig in 2020 ist zum Genießen. Aber auch zum Nachdenken - ja, wir haben das Privileg, dass wir es uns leisten könne, reisen zu gehen. Der erste Abend lehrte uns Dankbarkeit, als wir so an den leeren Gondeln und Cafés vorbeiliefen.



Kulinarischer Tipp: Abendessen in der Trattoria Misericordia. Nehmt den kleinen Fußweg etwas abseits vom Zentrum auf euch. Das Lokal wurde uns durch ein Einheimischen empfohlen und ist die Extrameter definitiv wert.


Stopp Nr. 2 - Florenz

Die ursprüngliche Idee war, nur bis nach Bologna zu fahren. Doch als wir beim Frühstück mit Blick aufs Meer saßen und feststellten, dass es bis nach Florenz gar nicht so viel weiter ist, wurde die Pläne kurzerhand umgeschmissen.

Einige Stunden später waren wir also in der Toskana. Die Stadt selbst hat sehr viele Museen und Sehenswürdigkeiten zu bieten, jedoch hatten wir uns dazu entschieden, uns einfach nur treiben zu lassen und Florenz eher intuitiv zu entdecken.

Zuerst sind wir auf auf der Westseite des Flusses auf einen Hügel gelaufen, von wo aus man eine wunderschöne Aussicht über ganz Florenz hatte. Danach ging es durch eine kleine Gasse in Richtung Zentrum. In der Gasse selbst bemerkten wir die langen Schlangen vor den Schinkenläden. Eigentlich versuche ich meinen Fleischkonsum seit einer Weile schon auf ein Minimum zu reduzieren, aber beim Anblick dieser Schinken konnte ich einfach nicht widerstehen.


Gut gestärkt ging es weiter Richtung Dom. Ein Aperol zwischendurch hielt uns bei Kräften. Der Dom im Zentrum von Florenz is wirklich beeindruckend - allerdings war der Platz drum herum stark bevölkert durch Instagram-Blogger inklusive Boyfriend, sodass für uns kein Platz mehr war, um in Ruhe Fotos zu machen. Dieser ironische Augenblick, dass ich selbst kein Instagram-taugliches Bild erhaschen konnte, wurde genutzt um in der nächsten Bar noch einen Aperol zu genießen. Life is hard.

Kulinarischer Tipp: Zunächst ist die Rooftop Bar "View on Art" hervorzuheben. Mega Ausblick über ganz Florenz und ein super Spot, um den Sonnenuntergang zu genießen. Abendessen gab es im Ristorante "da Lino" unweit vom Dom. Die Trüffelpasta selbst war schon ein Highlight, aber die Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit des Personals waren das eigentliche Highlight, weswegen dieser Abend noch lange in Erinnerung bleiben wird.


Stopp Nr. 3 - Lerici

Nach 2 Tagen Städte erkunden, fühlten wir uns nun bereit fürs Meer. Auf ging es also an die toskanische Mittelmeerküste nach Lerici. Die Strandsuche war tatsächlich schwieriger als gedacht - und von der Campingplatzsuche reden wir erst gar nicht. Allerdings hat die Küste durchaus ihren Reiz durch die vielen Buchten und wunderbaren Aussichten.



Letztendlich haben wir dann einen Spot zum Sonne genießen gefunden und haben den Abend am Bus gemütlich ausklingen lassen. Zum Thema Wildcampen (@Mama und Papa: den Teil mal bitte kurz überspringen): Wildcampen ist in Italien eigentlich verboten und vor allem an den Küsten wird das wohl stark kontrolliert. Eine Einheimische hatte uns auch ein wenig die Hölle heiß gemacht, aber letztendlich haben wir zusammen mit zwei anderen Campervans einen mega Spot für die Nacht gehabt. Wenn ich dann wenigstens etwas geschlafen hätte, wäre die Nacht auch der Knaller gewesen, aber ich war einfach super unentspannt. Letztendlich bescherte mir das allerdings einen wahnsinnig schönen Sonnenaufgang.


Stopp Nr. 4 - Cinque Terre

Cinque Terre - das war mein persönliches Ziel für diesen Roadtrip. Die fünf kleinen Orte an dem Küstenabschnitt südlich von Genua wollte ich unbedingt gesehen haben. Den Van stellten wir in La Spezia am Bahnhof ab und dort kauften wir uns für 17€ ein Tagesticket, mit dem man zwischen den Dörfern hin und her fahren konnte und auch schon die Wandergebühr mit drin hatte.


Wir sind mit dem Zug bis ins nördlichste Dorf Monterosso al Mare gefahren und sind von dort bis nach Vernazza gewandert. Die Strecke führt entlang der Küste teilweise durch Weinberge und Olivenhaine durch und ist wirklich wunderschön. Die Wanderung sollte man allerdings so früh wie möglich machen, um den Menschenmassen zu entgehen.


In Vernazza sprangen wir kurz ins Meer und fuhren dann weiter nach Manarola. Jedes dieser Dörfer hat wirklich seinen Charme und die Lage ist wirklich einmalig. Allerdings war ich wirklich erstaunt, wie (selbst in Corona Zeiten) überlaufen dieser Küstenabschnitt ist. Für Frühaufsteher lohnt es sich aber auf jeden Fall.


Stopp Nr. 5 - Gardasee

Direkt nach unserer Wanderung in Cinque Terre ging es für uns noch weiter an den Gardasee. Nach der für mich durchzechten Nacht versprach mir Susett Camping der Superlative - und das bekam ich auch. Und zwar den Weekend Glamping Platz. Alter Verwalter - was soll ich sagen... Es war richtig nice!


Den nächsten Tag haben wir uns richtig viel vorgenommen. Nichts machen stand auf dem Plan. Lesen. Sonnen. Aperol trinken. Essen.

Wir hatten uns in einer Strandbar Liegen für den Tag gemietet und sind abends in das nächste Dorf gelaufen, um dort Pizza zu essen. Kulinarisch kann ich hier leider nicht wirklich was empfehlen, da das Essen leider eher enttäuschend war. Die Atmosphäre am See war allerdings sehr schön und vielleicht wäre man ein paar Restaurants weiter auch glücklich geworden... #wennderhungersiegt


Stopp Nr. 6 - Meran

Nächstes und letztes Ziel war dann Südtirol. Uns verschlug es in die kleine Stadt Meran, welche vor allem von Apfel- und Weinplantagen gesäumt ist. Abends bummelten wir noch durch die Altstadt und hatten ein extrem gutes Essen im "Henkerhaus".



Am nächsten Tag haben wir noch ein 4-stündige Wanderung entlang der Waalwege im Tal unternommen und uns noch durch diverse Apfel- und Weinsorten durchprobiert. Im Herbst wird entlang dieser Wege zu einem kleinen Obolus allerlei Obst verkauft. Ultra lecker und eigentlich hätte ich auch einfach wieder den ganzen Tag essen können.


Ursprünglich war im Anschluss noch ein Tag in Innsbruck geplant, aber Corona machte uns da leider einen Strich durch die Rechnung, sodass es dann in einem 12-Stunden Ritt straight zurück nach Berlin ging.


Fazit

Wir wussten nicht, wo wir nächsten Tag sein werden. Wir waren vollkommen frei in unserer Reiseplanung. Wir konnten jeden Tag entscheiden, wonach uns ist. Unser Hotel fuhr auf 4 Rädern mit uns herum. Wir hatten Berge, Stadt und Meer. Wir hatten Pasta, Tiramisu und vor allem Aperol. Wir hatten das Privileg und die Möglichkeit zu reisen.

Mein Fazit ist daher - dieser Urlaub war einer der besten Urlaube überhaupt und dieser Art des Reisens hat es mir persönlich sehr angetan. Auf das nächste Abenteuer auf vier Rädern.


Chiao Bella! Chiao Italia.



161 Ansichten

© 2018 by Anne Hacker.  Proudly created with Wix.com